Der Schlottwitzer Achatgang

Zu den oberkarbonischen und unterrotliegenden Lagerstätten und Gängen des Osterzgebirges gehört der Schlottwitzer Achatgang, eine interessante geologische Erscheinung.
Dieses bemerkenswerte Vorkommen beginnt zwischen Döbra und Berthelsdorf an der Oberfläche und wird bei Oberschlottwitz durch die Müglitz so spitzwinklig angeschnitten, dass der Gang fast bis nach Niederschlottwitz im Müglitzbett verläuft.

Seine Mächtigkeit schwankt stark; am besten ist er im Quarzporphyr entwickelt.
Wo er in das Müglitzbett eintritt, bildet er steile Klippen und Felsen. Dort sind Achatbrocken durch Eisenoxyd rot oder durch andere Eisenoxydverbindungen grün gefärbt. Auch Bandachat und Drusen kommen hier vor.
Da der Verwitterung Angriffsflächen gegeben sind, geraten fortlaufend Gangstücke in die Schotter der Müglitz und wurden bereits als Leitgeröll in der Elbe bis Magdeburg gefunden.

Im Tal selbst ist der Achat meist von Müglitzschotter überdeckt. Am linken Ufer wurde er durch den Umbau der Eisenbahnstrecke auf Regelspur im Gebiet Oberschlottwitz wieder gut aufgeschlossen. Hier sind die Quarzmassen auch mit Amethystbrocken eingelagert, wodurch der farbenprächtige Trümmerachat entsteht. Gelegentlich kommen in Drusen Amethystkristalle vor.

An gleicher Stelle wird weißer und fleischfarbener Schwerspat als Gangmasse, durchscheinende Chalcedone in verschiedenen Farben, wie Milchweiß, rauch-, gelblich und rötlichbraun, fleich-und rötlichbraun, fleisch- und blutrot, weiterhin blutroter Jaspis, hyazinthroter Karnol und roter, sehr auf schlüssiger Ton gefunden.
Die meisten Stücke nehmen eine vortreffliche Politur an und besitzen geschliffen ein sehr schö-nes Aussehen, so dass sie schon frühzeitig für Schmuckstücke verarbeitet wurden.

Nachdem wahrscheinlich schon Karl IV von Böhmen, Lehnsherr der Dohnaer Burggrafen, Schlottwitzer Achat für sein Schloß in Böhmen brechen ließ, erhielt 1755 der Schloßherr von Bünau auf Weesenstein das Schürfrecht.

 Seit 1775 stand der Bruch oberhalb der Neumühle dem Dresdner Hofjuwelier Johann Christian Neuber bis zum Jahre 1791 zur Verfügung. Nach dieser Zeit lag dieser Bruch 'wüst' und nach einigen Jahren war diese ehemalige Schürfstelle vollständig verwachsen.

Gelegentlich suchten im Gebiet des verlaufenden Achatganges Schmuckhersteller oder Gesteinssammler nach Achat und Amethyst.

Im Jahre 1979 schließlich, wurde in Höhe der ehemaligen Friedensmühle, ein bereits schon 1950 aufgefahrener Stollen wo man damals nach Uran suchte, sowie ein etwa 50 Meter bergwärts vorgetriebener Stollen, in den Berg aufgefahren. Anlaß dieser Auffahrung, die vom VEB Bergbauerkundung Oelsnitz durchgeführt wurde, diente der Suche von Schwer- und Flußspatvorkommen.

Bei dieser Aktion wurden größere Mengen Achat und Amethyst gleichzeitig abgebaut.
Knapp zwei Jahre später waren die beiden, etwa 20 Meter in den Berg vorgetriebenen Stollen nach Außen mit den abgelagerten Bergmassen wieder verschlossen.
Nach umfangreichen Vermessungsarbeiten, erfolgte Anfang 1985 ein Wiederaufbruch des talwärts gelegenen Stollens. Der bei der letzten Verwahrung belassene innere Hohlraum wurde nach beiden Seiten erweitert und unmittelbar am Stolleneingang fuhr man einen etwa 5 Meter tiefen Schacht ein.

Nach umfangreichen Vermessungsarbeiten, im Zusammenhang von Luftaufnahmen mit einer Multi-Spektralkamera, erfolgte Anfang 1985 ein Wiederaufbruch des talwärts gelegenen Stollens. Der bei der letzten Verwahrung belassene innere Hohlraum wurde nach beiden Seiten erweitert und unmittelbar am Stolleneingang fuhr man einen etwa 5 Meter tiefen Schacht ein. Auch an anderen Stellen, wie u.a. am "Roten Felsen" und auch auf der östlichen Talseite, wurde im Zusammenhang der Erkundung nach Erzen, Achat abgebaut.

Diese Halbedelsteine wurden für den Export nach Frankreich und den USA als Belegung von Clubtischen und anderen Schmuckgegenständen weiterverarbeitet.
Mit Einsatz eines kletterfähigen Spezial-Schreitbaggers erfolgte an vielen Stellen an der Erdoberfläche umfangreiche Schürfungen nach Spate.
Im Mai 1984 wurde eine abermalige Versieglung des 1983 aufgefahrenen Stollens vorgenommen und oberhalb des Schachtes ein Aufbruch des Achatganges vollzogen.

Diese Aufbrüche zogen viele Steinsammler nach hier und es gab schließlich auch reiche Ausbeute. In den Folgejahren ist es zu keinen Erkundungs- und Aufbrucharbeiten gekommen.

Das Gebiet um den Schlottwitzer Achatgang bleibt also somit den Hobby-Steinsammlern vorbehalten.


H. Schwarzer