Gedanken zum 10. Jahrestag der Flut 2002

In wenigen Tagen, am 11. August jährt sich für unseren Ort Schlottwitz eine Katastrophe zum 10. Mal.
Es ist uns Anlass darüber nachzudenken; uns zu erinnern.

Die schrecklichen Bilder und Erlebnisse haben sich eingegraben im Gedächtnis der Menschen, die diese Flut erlebten.

Aus sicherer Entfernung vom nahen Berg beobachteten wir, wie die Wassermassen durch das Tal tosten und alles mit sich rissen. Wir „nächtigten“ im Auto, schlafen konnte man das wohl nicht nennen. Als wir uns nach zwei Nächten und einem Tag, mit bangen Erwartungen wieder dem Hause näherten, sahen wir, was die Wassermassen angerichtet hatten. Dort, wo früher der Garten war, hatten die Fluten eine metertiefe Flutrinne gegraben, nur noch Schutt und Geröll gab es. Die Garagen hatte das Wasser zerstört, das Haus war unterspült.
Die zu Hilfe gerufene Feuerwehr zog sich bald zurück, weil der Giebel einzustürzen drohte. Mutige Männer aus benachbarten Häusern und später die Soldaten der Bundeswehr halfen uns, das immer noch strömende Wasser mit Steinen und Sandsäcken abzuleiten.


Im ganzen Ort sah es ähnlich aus.
- Straßenverbindungen fast alle unterbrochen
- Schlamm, Dreck überall
- durch Wasser unbrauchbar gewordene Gegenstände stapelten sich
- kein Trinkwasser
- kein Strom
- kein Gas
- keine funktionierenden Toiletten

Wir fühlten uns hilflos angesichts dieser Naturgewalten;
wir waren traumatisiert.

Aber schon unmittelbar nach der Flut setzte ein Hilfsaktion ein, die wir als beispiellos bezeichnen können. Hilfe kam aus den unmittelbaren Nachbarorten und darüber hinaus aus fast allen Teilen Deutschlands.
Eine Hilfe die uns auch heute noch, nach 10 Jahren tief beeindruckt.

Es halfen uns Tausende,
- Betriebe und Privatpersonen
- Studenten und Schüler
- das Deutsche Rote Kreuz
- der Arbeitersamariterbund Hamburg
- das Technisches Hilfswerk aus vielen Teilen Deutschlands
- der ADAC mit einer Mannschaft aus München
- die Bundeswehr mit Hubschraubern und Bergepanzern
- Feuerwehren, die eigene und Wehren aus den Nachbargemeinden.

Es waren Menschen, die bestürzt waren von den schrecklichen Bildern, die das Fernsehen ausstrahlte.
Es waren Menschen, denen das Schicksal und die Not anderer nicht gleichgültig waren.
Es waren Menschen, die mit uns gelitten haben, die unsere Ohnmacht gegenüber eines gewaltigen Naturereignisses erkannten und uns helfen wollten -- und halfen.

Hilfe aus ganz Deutschland kam an.
Aus Hamburg, Aachen, Plauen und Wiesbaden,
aus unserer Partnergemeinde Rothenberg,
aus Lüneburg und Goslar, aus Winsen und Ellrich,
Dresden und Cottbus und Steinbach–Hallenberg,
aus Görlitz, Bensheim und Plauen, aus unseren Nachbarorten, Luchau, Hausdorf, Cunnersdorf, Reinhardtsgrimma,
Berthelsdorf, Liebenau, Breitenau, Paulsdorf Kreischa und Seifersdorf und, und, und..... –

Unmöglich alle zu nennen die uns halfen.


Die ersten Tage verliefen besonders chaotisch.
Später haben wir begonnen in der ehemaligen Schule eine Einsatzzentrale zu installieren, eine Anlaufstelle zu schaffen für die Vielen, Vielen, die uns helfen wollten.
Für zivile Helfer, für die Bundeswehr, das THW. Viele Helfer, oft Bürgermeister weit entfernt liegender Orte warteten geduldig vor der Einsatzzentrale um ihre Hilfe anzubieten, das Telefonnetz war ja gestört. Wir versuchten (!) die Arbeiten zu koordinieren und Schäden zu ermitteln. Auch dabei erhielten wir Unterstützung von wunderbaren, selbstlosen Menschen.

Wir versuchten unseren Helfern Unterkünfte bereitzustellen und die Frühstücksversorgung zu sichern, auch gegen den Widerstand von Amtsträgern. Schlottwitzer Frauen säuberten die vom Schlamm verdreckten Unterkünfte des
THW und anderer Helfer und kochten Kaffee.
Als das Wasser zurück ging, kamen Frauen und Männer aus den Nachbarorten, sie halfen ohne Aufforderung und sicher oft ohne Dank, denn die Betroffenen waren verstört und oft traumatisiert.
Später begannen wir Listen auszulegen, in denen sich Helfer mit Namen und Adresse eintragen konnten.
Am Ende waren es wohl 870 Namen. Diese eingetragenen Helfer haben wir, wie damals 2002 versprochen, zu der 600- Jahrfeier unseres Ortes im Jahr 2004 eingeladen, um ihnen damit unseren Dank auszudrücken.

Aber die meisten der Helfer waren und blieben anonym.
Auch diesen anonymen Helfern möchten wir unseren Dank aussprechen, wenn wir uns am 11. und 12. August 2012, dieser denkwürdigen Tage erinnern. Wir werden Vertreter der Feuerwehren der Nachbargemeinden zu unserer Erinnerungsfeier einladen und ihnen, wie auch unserer eigenen Wehr unseren Dank für ihren Einsatz aussprechen

Inzwischen ist alles wieder aufgebaut --
oft schöner als vorher.
Die Helfer haben dazu beigetragen!


Schlottwitz, im Juni 2012
Walter Worsch